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Was ist LÜKEX? Warum wurde sie ins Leben gerufen? Wie laufen die Übungen ab? Wer waren ihre Vorläufer?



Warum LÜKEX?

Nach der föderalen Ordnung des Grundgesetzes tragen in der Bundesrepublik Deutschland
die Länder die Verantwortung für die allgemeine Gefahrenabwehr im Frieden, so z.B. bei der
Abwehr von Naturkatastrophen, Industrieunfällen, Seuchen oder auch Terroranschlägen.
Der Bund unterstützt die Länder bei besonders komplexen Ereignissen oder solchen von
nationaler Bedeutung. Auf Ersuchen der Länder obliegt ihm beispielsweise das Management
strategischer Ressourcen.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem Elbehochwasser 2002 fand
in Deutschland ein Umdenken statt. Der in 50 Jahren föderaler Zuständigkeitsverteilung
gewachsene Zivil- und Katastrophenschutz wurde daraufhin überprüft, ob seine Strukturen
sich der geänderten Bedrohungslage gewachsen zeigen würde. Letztlich kam die Innenministerkonferenz
2002 zu dem Schluss, Deutschland verfüge über ein leistungsfähiges System
der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr, die Fähigkeiten aller Akteure dieses Systems
seien aber noch konsequenter als in der Vergangenheit aufeinander abzustimmen und miteinander
zu vernetzen. In der Folge wurde auf Bundes- und Länderebene das staatliche
Krisenmanagement konsequent ausgebaut und optimiert. 2004 stellte die länderübergreifende
Krisenmanagementübung Exercise LÜKEX dieses Krisenmanagement erstmals auf
die Probe.

Was ist LÜKEX?

LÜKEX ist eine ressort- und länderübergreifende Krisenmanagementübung. In die Übungsserie
werden die Krisenstäbe verschiedener Verwaltungsebenen (Bundesressorts, Länder,
Regierungspräsidien, Landkreise) und je nach Übungsszenario auch die von Wirtschaftsunternehmen,
Verbänden und Hilfsorganisationen einbezogen. Es werden Strukturen beübt
und Verfahren erprobt. Ein wesentliches Ziel besteht darin, anhand des gewählten Szenarios
die Handlungen der Akteure zu harmonisieren, komplexe Fähigkeiten zu konzentrieren und
Synergien zu schaffen

Wie funktioniert LÜKEX?

Das Konzept

Die Übung soll eine krisenfeste Abstimmungs- und Entscheidungskultur zwischen den Ländern
und dem Bund etablieren. Das Übungskonzept sieht vor, dass das Bundesinnenministerium
gemeinsam mit anderen zuständigen Bundesressorts über einen mehrjährigen Planungszeitraum
potentielle Übungsszenarien für LÜKEX entwickelt. Die Länder entscheiden
dann frei darüber, ob und in welchem Umfang sie sich an den jeweiligen Übungen beteiligen.
Die Szenarien bilden grundsätzlich überregionale, komplexe Schadenslagen wie großflächige
Überschwemmungen, lang anhaltenden Ausfall wesentlicher Teile der kritischen Infrastrukturen
oder terroristische Anschläge ab. LÜKEX erfüllt damit jenseits der gut organisierten
und erprobten Gefahrenabwehr auf örtlicher und regionaler Ebene den Anspruch, die
Fähigkeit des Staates zur Bewältigung von Krisen nationaler Dimension auf den Prüfstand
zu stellen. Insbesondere soll das Zusammenwirken auch der politischen Führung auf Bundes-
und Länderebene geübt werden.

Die Übung

Aus Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten wurde LÜKEX als Stabsrahmenübung angelegt, also
als Übung ohne den Einsatz operativer Kräfte wie Feuerwehren oder Hilfsorganisationen.
Den Bundes- und Landesbehörden steht es frei, realitätsnahe Vollübungen anzuhängen.
Diese sind jedoch nicht Bestandteil der LÜKEX.
Um eine Krise zu bewältigen, müssen alle Partner der zivilen Sicherheitsvorsorge zusammen
arbeiten. Neben der polizeilichen und nicht polizeilichen Gefahrenabwehr kommt je
nach Ausmaß eines Schadensereignisses auch die Bundeswehr im Rahmen der zivilmilitärischen
Zusammenarbeit zum Einsatz. Da sich die Kritischen Versorgungsinfrastrukturen
(z.B. Verkehr/ Logistik, IT, Energieversorgung, Telekommunikation) zunehmend in privater
Hand befinden, nehmen auch immer mehr Wirtschaftsunternehmen an den Übungen
teil. Gleiches gilt für die privaten Hilfsorganisationen, die ihren Anteil am nationalen Hilfeleistungssystem
überwiegend mit ehrenamtlichen Kräften leisten.
Innerhalb des Krisenmanagements spielt bei LÜKEX die Krisenkommunikation einschließlich
der Information der Bevölkerung eine herausragende Rolle.

Drehbuch und Übungssteuerung

Die Übung wird von einer Bund-Länder-Projektgruppe unter Leitung des BBK geplant und
vorbereitet. Sie hat den Auftrag, die Übung möglichst realistisch zu gestalten und dabei den
spezifischen Bedingungen der einzelnen Bundesländer Rechnung zu tragen. Gleichzeitig
soll aber die Forderung nach einem Szenario erfüllt werden, das eine gesamtgesellschaftliche
Betroffenheit erzeugt.
Die Übungsvorbereitung kann bis zu 18 Monaten dauern. Ihr kommt eine herausragende
Funktion zu: In zahlreichen Arbeitstagungen und Abstimmungsbesprechungen werden gemeinsame
Standards der Krisenbewältigung entwickelt und fortgeschrieben. Workshops
bereiten die Übungsteilnehmer aus öffentlichen und privaten Institutionen auf die Übung vor.
Dabei können schon im Vorfeld Schwachstellen des Krisenmanagements erkannt und beseitigt
werden. Das Drehbuch zur Übung wird in themenspezifischen Workshops erarbeitet.
Möglichst alle betroffenen Institutionen werden dabei einbezogen.
Die Gesamtleitung der LÜKEX hat das Bundesinnenministerium, lageabhängig ggf. gemeinsam
mit anderen Bundesressorts. Unterstützt wird die Ressortebene durch eine dislozierte
Übungssteuerungsorganisation auf allen beteiligten Verwaltungsebenen, wobei die Fäden
in der zentralen Übungssteuerung an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung
und Zivilschutz (AKNZ) des BBK in Bad Neuenahr-Ahrweiler zusammen laufen.

Ergebnisse und Auswertung

Nach der Übung werden die Ergebnisse in einem Auswertebericht zusammengestellt und
fließen in Handlungsempfehlungen für das strategische Krisenmanagement, in die Ausund
Fortbildung, die Weiterentwicklung technischer Führungs- und Einsatzmittel und in die
Forschung im Bevölkerungsschutz ein. Bewertet werden außer dem Übungskonzept selbst
vor allem Strukturen und Verfahren des ressort- und länderübergreifenden Krisenmanagements.

Inhalte bisheriger LÜKEX-Übungen

Die Szenarien der bisherigen drei Übungen knüpften an Gefahrenlagen mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit
an. Mittlerweile haben alle Bundesländer mindestens einmal an LÜKEX
teilgenommen, einige auch schon mehrfach.
Vier Bundesländer beteiligten sich an der ersten 3-tägigen LÜKEX-Übung im November
2004. Bayern und Baden-Württemberg übten den Fall einer winterlichen Extremwetterlage
mit rund zweiwöchigem Stromausfall in großen Teilen des Landes. Zeitgleich ereigneten sich
in Berlin und Schleswig-Holstein fiktive Terroranschläge mit teils chemischer Beimengung. In
Schleswig-Holstein wurde zudem ein Anschlag auf ein Fährschiff angedroht, das sich auf
hoher See befand. Damit wurde das Thema „Seesicherheit“ in das Übungsszenario eingebunden.
Das Übungsszenario „Stromausfall“ war in Anlehnung an den Orkan „Lothar“ 1999
erstellt worden, der in der Schweiz zu mehrtägigen Stromausfällen geführt hatte. Die Übung
wurde beim Stromausfall im Münsterland 2005 von der Realität eingeholt.
Das Drehbuch erarbeiteten die Übungsteilnehmer in ca. 150 Workshops und Planbesprechungen
zu Teilaspekten der Übung. Hinzu kamen rund 80 Besprechungen mit den beteiligten
Akteuren Kritischer Infrastrukturen (Energieversorger). Das Drehbuch umfasste schließlich
3.000 Seiten.
An der Übung nahmen insgesamt acht Bundesressorts, alle Sicherheitsbehörden des Bundes
und die Bundeswehr teil. Auf Landesebene beteiligten sich vier Krisenstäbe der Landes
regierungen, elf Regierungspräsidien und 38 Stadt- und Landkreise. Auch Energieversorgungs-
und Lebensmittelunternehmen übten mit. Insgesamt waren rund 5.000 Personen
beteiligt, davon allein 1.000 in der IT-gestützten Übungssteuerung.
LÜKEX 2005 orientierte sich thematisch an internationalen Großveranstaltungen. Sie wurde
ein Jahr früher als geplant umgesetzt, um die gewonnenen Erkenntnisse für die Sicherheitskonzepte
der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nutzen zu können. Dem Drehbuch lagen Terroranschläge
auf öffentliche Verkehrseinrichtungen und witterungsbedingte Katastrophen
sowie technische Havarien in sechs übenden Bundesländern (Baden-Württemberg, Brandenburg,
Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen) zugrunde. Auch aus
dem Ausland übertragene Seuchen wurden bundesweit in die Übung eingebunden. Das
Übungsszenario sollte vor allem zeigen, ob Großveranstaltungen trotz hoher Opferzahlen
und einer andauernden Bedrohung fortgesetzt werden könnten.
Mit sieben Bundesländern, elf Bundesressorts und ca. 50 Unternehmen, Hilfsorganisationen
und Verbänden war die LÜKEX 2007 die bisher umfangreichste Übung der Serie. An zwei
Tagen übten rund 3.000 Personen in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-
Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen den Fall einer bundesweiten Pandemie
mit einer fiktiven Erkrankungsrate von 33 Prozent der Bevölkerung, bundesweit ca. 400.000
Krankenhauseinweisungen und ca. 100.000 Todesfällen. Das Szenario war zusammen mit
dem Robert-Koch-Institut entwickelt worden. Es brachte vor allem wichtige Erkenntnisse
hinsichtlich der psychologischen Reaktion der Bevölkerung in Krisensituationen.

Vorläufer der LÜKEX

Der Kalte Krieg zwischen den beiden Machtblöcken West und Ost, repräsentiert durch NATO
und Warschauer Pakt, ließ einen Nuklearkrieg nicht ausgeschlossen erscheinen. Die
NATO verfolgte in den 50er und 60er Jahren wegen ihrer Unterlegenheit bei den konventionellen
Streitkräften die Strategie der massiven atomaren Vergeltung bei einem potenziellen
Angriff des Warschauer Paktes. Um politische und militärische Entscheidungsprozesse zu
erproben, führte die NATO daher von 1960 – 1968 im zweijährigen Rhythmus die FALLEXÜbungen
(„Herbstübung“) als Stabsrahmenübungen ein.
Ab 1971 wurde als Nachfolger der FALLEX-Übungen die WINTEX-CIMEX-Übungsreihe
(„Gesamtverteidigungsübung“) ins Leben gerufen. Sie bezog neben einem militärischen
Szenario auch den Schutz der Zivilbevölkerung im Verteidigungsfall mit ein. Die WINTEXCIMEX-
Übungen waren Planspiele, die die Ausbildung verbessern sollten. Auch wurde geübt,
wie militärische und zivile Verteidigungsmaßnahmen besser aufeianander abgestimmt
werden können. Ab 1966 nahm die Akademie für zivile Verteidigung (AKzV) die Übungsvorbereitung,
-leitung und -auswertung für die zivile Seite wahr. Die letzte WINTEX-Übung fand
im Jahr 1989 statt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.bbk.bund.de und www.luekex.de.










 

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